Gusswerkzeuge, die im Hochdruck-Druckguss (HPDC) und im Schwerkraft-Kokillenguss eingesetzt werden, sind extremen Einsatzbedingungen ausgesetzt – darunter Kontakttemperaturen von über 700°C, schnelle thermische Wechselbeanspruchung sowie mechanische Spannungen bis zu 200 MPa. Um vorzeitigen Werkzeugausfall zu verhindern, wird das Nitrieren angewendet, um die Oberfläche von legierten Werkzeugstählen wie H13, D2 und P20 zu härten. Bei diesem thermo-chemischen Prozess diffundiert atomarer Stickstoff in die Stahloberfläche und bildet Eisennitride, die die Verschleiß- und Ermüdungsbeständigkeit erhöhen. Das Ergebnis ist eine langlebige Werkzeugoberfläche, die ideal für lange Produktionsläufe bei minimalem Wartungsaufwand ist – im Einklang mit den Hochleistungsstandards, die von Neway unterstützt werden.
Das Nitrieren bewirkt mehrere messbare Verbesserungen an Gusswerkzeugen:
Oberflächenhärte: Nitrierschichten können – abhängig von der Stahlzusammensetzung und den Prozessparametern – 900–1200 HV (Vickershärte) erreichen und erhöhen die Beständigkeit gegen abrasiven Verschleiß erheblich.
Maßstabilität: Im Gegensatz zum Aufkohlen oder Induktionshärten erfolgt das Nitrieren bei unterkritischen Temperaturen (480–570°C), wodurch thermische Verzüge reduziert werden und eine nachgelagerte Bearbeitung entfällt.
Ermüdungsfestigkeit: Das Einbringen von Druckeigenspannungen erhöht die Ermüdungsfestigkeit um bis zu 30% – besonders wichtig bei Bauteilen wie Gießkammern (Shot Sleeves) und Kernen, die thermischem Schock ausgesetzt sind.
Oxidationsbeständigkeit: Die äußere Epsilon(ε)-Phase der Eisennitride zeigt eine verbesserte Beständigkeit gegen Zunderbildung und chemischen Angriff, wodurch das Anhaften (Soldering) beim Druckguss von Aluminiumlegierungen minimiert wird.
Die Wirksamkeit des Nitrierens hängt von der Stahlzusammensetzung ab, insbesondere von Elementen, die stabile Nitride bilden (Cr, Mo, V). Gängige nitrierfähige Werkzeugstähle sind:
Werkzeugstahlgüte | Anwendung | Chromgehalt (%) | Typische Nitrierschichttiefe (mm) | Eignung |
|---|---|---|---|---|
Druckgussformen, Kerne | 5.0–5.5 | 0.25–0.45 | Exzellent | |
Verschleißfeste Einsätze | 11.0–13.0 | 0.15–0.30 | Gut | |
Niedrigtemperatur-Kunststoffformen | ~1.5 | 0.10–0.20 | Befriedigend |
H13 ist der Industriestandardstahl für Warmarbeitsanwendungen und bietet überlegene Zähigkeit, Warmfestigkeit („Red Hardness“) sowie ein sehr gutes Nitrierverhalten. Er wird häufig in der Massenproduktion für strukturelle und Automotive-Gussteile eingesetzt.
Das Nitrieren kann mit mehreren Prozessvarianten durchgeführt werden, die jeweils unterschiedliche Vorteile bieten:
Gasnitrieren: Durchführung in Ammoniak-(NH₃)-Atmosphäre bei 510–530°C. Ermöglicht Randschichttiefen bis zu 0.5 mm und ist ideal für große Formeinsätze sowie Gießkammern.
Plasma- (Ion-) Nitrieren: Nutzt elektrische Entladungen in einem Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch, um Stickstoffatome zu ionisieren. Der Prozess läuft bei 480–520°C und bietet eine präzise Kontrolle der Schichtstruktur bei geringer Verzugstendenz – ideal für hochpräzise Einsätze.
Salzbadnitrieren: Durchführung bei 560°C in einem cyanatbasierten Salzbad. Bietet schnelle Nitrierzyklen (2–3 Stunden), jedoch schränken Umweltauflagen und Entsorgung die Nutzung ein.
Jede Methode wird anhand von Bauteilgeometrie, gewünschtem Härteprofil und Anforderungen an die Oberflächenqualität ausgewählt.
Nitrieren wird bei Werkzeugkomponenten eingesetzt, die starker thermischer Wechselbeanspruchung und adhäsivem Verschleiß ausgesetzt sind. Dazu zählen Kernstifte, Kavitätseinsätze, Gießkammern (Shot Sleeves) und Auswerfersysteme. Beim Aluminium-HPDC mit A380-Legierung können nitrierte H13-Einsätze über 100.000 Zyklen ohne Aufarbeitung standhalten und verdoppeln die Werkzeugstandzeit gegenüber unbehandelten Einsätzen. Beim Zinkdruckguss mit Zamak 5 reduzieren nitrierte Oberflächen das Festfressen (Galling) und verbessern die Maßwiederholgenauigkeit bei Zykluszeiten unter 30 Sekunden.
Diese Verbesserungen führen zu weniger Stillstandszeiten, geringeren Ersatzkosten und einer konsistenteren Bauteilqualität in anspruchsvollen Produktionsumgebungen.
Das Nitrieren bietet bei niedriglegierten Stählen ohne nitrierbildende Elemente nur begrenzten Nutzen und erreicht im Vergleich zum Aufkohlen oder Borieren geringere Schichttiefen. Zudem kann es Werkzeuge nicht „reparieren“, die bereits Ermüdungsrisse oder erhebliche Oberflächenerosion aufweisen.
Alternative Verfahren sind:
PVD-Beschichtungen: Schichten aus Titannitrid oder Chromnitrid bieten eine ausgezeichnete Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit, erfordern sehr saubere Grundoberflächen und sind kostenintensiver.
Chrombeschichtung: Erhöht die Korrosionsbeständigkeit und bietet einen gewissen Verschleißschutz, ist jedoch anfällig für Rissbildung unter Thermoermüdung.
Aufkohlen: Bietet tiefere Randschichten (>1.0 mm) für Bauteile, die hohe Oberflächenverschleißfestigkeit bei gleichzeitig zähem Kern erfordern.
Neways Werkzeugexperten unterstützen Kunden bei der Auswahl optimaler Behandlungen – abgestimmt auf Legierungsleistung, Bauteilgeometrie und Produktionsvolumina.
Um Lebensdauer und Prozesskonstanz nitrierter Werkzeuge zu maximieren, wird das Nitrieren mit ergänzenden Nachbearbeitungstechniken kombiniert. Übliche Prozesse nach dem Nitrieren sind Feinstpolieren (Ra < 0.4 µm), um Mikrospitzen zu entfernen, sowie Gleitschleifen zum Kantenverrunden. Diese Schritte verbessern die Entformung und reduzieren das Anhaften von Aluminium oder Zink.
Regelmäßige Inspektionen und Re-Nitrierzyklen werden in vorbeugende Wartungspläne integriert – insbesondere für Kern- und Kavitätssätze mit mehr als 50.000 Zyklen. Dieser proaktive Ansatz ist entscheidend für die Verlängerung der Werkzeugnutzungsdauer, insbesondere in Kombination mit kompatiblen Gusswerkstoffen wie AlZn10Si8Mg oder CuZn37-Messing.